Luecks Martin BlackRock

BlackRock : Ein unruhiges Schlussquartal

BlackRock: Normalerweise ist das Schlussquartal ein eher positives aus Sicht von Aktienanlegern.

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BlackRock Aktueller Blick auf die Märkte


Von Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Osteuropa bei BlackRock


In den  letzten 30 Jahren standen in 80% der Fälle Kursgewinne zu Buche, und im Vergleich mit dem  Rest des Jahres schlugen sich Aktien in den Herbstmonaten im Schnitt besser. Diesmal schauen  Investoren allerdings auf eine ganze Reihe von Unsicherheitsfaktoren. Dies beginnt mit der  Angst vor höheren Zinsen in den USA, setzt sich fort über die jüngste Wachstumsdelle in China  und dessen schwächelnden Immobiliengiganten Evergrande, um am Ende wieder in Amerika  und dessen Diskussion um die Schuldenobergrenze und einen drohenden «Government Shut-down» zu landen. In der vergangenen Woche schlug sich diese Unruhe in Rücksetzern bei amerikanischen Aktien von 2,3% nieder, in Europa von 3,4%, die Volatilität hat in den letzten Tagen spürbar angezogen. Angesichts der anstehenden Berichtssaison für das dritte Quartal und  des Blicks in einen weiteren CovidWinter, in dem Einschränkungen der Wirtschaftstätigkeit angesichts hoher Infektionszahlen und zu niedriger Impfquoten keineswegs ausgeschlossen sind,  scheint Vorsicht angebracht.

Dabei dürfte im Cocktail der Unsicherheiten vor allem die USGeldpolitik im Fokus stehen. Nach  der letzten FOMCSitzung am 21. September, bei der ein strafferes Tapering und eine erste Zinserhöhung eventuell schon im nächsten Jahr angedeutet wurden, geriet die Zinslandschaft sichtbar in Bewegung. Seitdem oszilliert die Rendite der zehnjährigen TreasuryAnleihe eher um  1,50% statt, wie vorher, um 1,30%. In den letzten Tagen sind nun auch noch Unsicherheiten be züglich der institutionellen Robustheit der amerikanischen Notenbank hinzugekommen. Die  FedGouverneure von Boston und Dallas sind wegen Verdachts auf Insidergeschäfte ihre Jobs  los, und auch den stellvertretenden Vorsitzenden Richard Clarida könnte dieses Schicksal ereilen. Dass so etwas die Glaubwürdigkeit gerade der Institution schwächt, die in Zeiten eines zunehmend dysfunktionalen Politikbetriebs in den USA bis dato Verlässlichkeit verkörpert hatte,  zeigt sich an der deutlich gesunkenen Wahrscheinlichkeit für eine erneute Amtszeit von Jerome  Powell.

Dass eine funktionstüchtige und vertrauenswürdige Fed unverzichtbar ist, erweist sich einmal  mehr im Gezerre um die Schuldenobergrenze. Da die 2019 vom damaligen Präsidenten Trump  veranlasste Aussetzung der Schuldenobergrenze im Juli dieses Jahres auslief, braucht es nun  ein neues Gesetz. Denn schon am 18. Oktober werde, so Finanzministerin Janet Yellen, dem  Schatzamt das Geld ausgehen, dann drohe die Staatspleite. Das Gesetz zur neuen, höheren  Schuldengrenze wird aber nun zur Verhandlungsmasse zwischen Demokraten und Republikanern, die sich im Kongress auch um das bereits auf den Weg gebrachte USD 1,2 Billionen Dollar  umfassende Infrastrukturprogramm und ein weiteres, noch in Planung befindliches Programm  von USD 3,4 Billionen Dollar streiten. Mit Blick auf die Grössenordnung der Ausgabenpakete  und die Komplexität der Schuldenobergrenze besteht ein erhebliches Risiko, dass sich die Parteien, die MidTermWahlen im Herbst 2022 vor Augen, hoffnungslos verhaken und die USA auf  genau diesen Punkt, nämlich eine Zahlungsfähigkeit Ende Oktober, zulaufen. Auch wenn zu erwarten steht, dass wie bisher immer um fünf vor zwölf ein Kompromiss gefunden wird, dürfte  es Marktteilnehmer einiges an Nerven kosten, bis dieses Risiko abgewendet ist.

Deutschland rumpelt in die NachMerkelÄra

Die erste Woche nach der Bundestagswahl verging, wie erwartet, mit Sondierungen und Selfies.  Die grösste Überraschung bei alledem ist, dass der Wahlverlierer noch im Amt ist und vermutlich  sogar eine echte, wenn auch kleine Chance besitzt, Kanzler zu werden. Überraschend ist dies,  weil seine Partei die Wahl mit historisch schlechtem Ergebnis verloren und er dies zum Gutteil  mitzuverantworten hat, weil inzwischen über 70% der Wähler SPDMann Olaf Scholz als Kanzler  vorziehen und weil es selbst in CDUGremien eine Präferenz dafür gibt, in die Opposition zu gehen. Leidet Armin Laschet also an Realitätsverlust? Eher nein. Wahrscheinlicher ist, dass sein  Wunschkoalitionspartner ihm noch am Wahlabend in Aussicht gestellt hat, dass die Bemühungen um eine Ampelkoalition sehr wohl scheitern können und er, sobald etwas Gras über die krachende Wahlniederlage gewachsen ist, doch noch zum König von Jamaika aufsteigen könne.  Nur müsse er dafür natürlich im Amt bleiben. Sollte es, tief in der Nacht des 26. September, eine  derartige Verabredung gegeben haben, werden die nächsten Wochen spannend. Denn nicht nur  ist das schlaue Manöver Beobachtern südlich des Weisswursthorizonts, den Dolch im Gewande,  natürlich nicht entgangen. Auch das Wahlvolk ist alarmiert, abzulesen daran, dass inzwischen  sogar eine erneute GroKo, wenngleich diesmal unter SPDFührung, in Umfragen weniger unbeliebt ist als die Schwampel. «Nur nicht Laschet, nur nicht Jamaika», suggerieren die Umfragen.  Da scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen. Beruhigend aus Anlegersicht, dass all diese Spielchen dem Markt egal sein werden. Gut so.

Quelle: AdvisorWorld.ch